Ausschnitte aus

ÜBUNGEN




In diesem Kapitel werden einige Übungen angeführt, die zum Teil unbekannt und ungewohnt erscheinen werden. Sie können und sollen helfen, z.B. im Unterricht, dass ein Schüler die hier beschriebenen und gemeinten Gefühle entdecken und sich bewusst machen kann. Sie können auch beim eigenen Üben nützlich sein, wenn man am Probieren ist, wie man dieses oder jenes Resultat noch einfacher erreichen kann.
Die Übungen sollen dadurch, dass sie z.B. mit Bewegungen arbeiten, dazu führen, dass man störende Hilfsspannungen und Bewegungsgewohnheiten ausschaltet, die funktionalere Bewegung findet und das neue Resultat ermöglicht wird. Dieses Resultat kann und wird in den meisten Fällen dem in diesem Buch beschriebenen entsprechen und kann dadurch sozusagen 'wiedererkannt' werden. Zum anderen können die Übungen auch dazu dienen, dass neue Bewegungsgewohnheiten aufgebaut werden und dass man das dazugehörige Körpergefühl kennen lernt.
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Zum Ansatz
Wir gehen für die folgenden Ausführungen davon aus, dass man den Unterschied zwischen demjenigen Flötenton, der mit leichter Ansprache tönt, und dem zu steil geblasenen kennt, spürt und hört1.
Er ist hier der tonliche Ausgangspunkt, bzw. er soll durch die Übungen gesichert und dauerhaft ermöglicht werden. Man kann die leichte Ansprache durch Einwärts-, bzw. meistens Auswärts - Drehen des Kopfstückes an der Lippe erreichen (Veränderung des Anblaswinkels). Nur, wenn die Lippen sich nicht entsprechend mitbewegen können, um die anderen Parameter der Tonproduktion (Den Abstand: Lippenspalt - Mundlochkante, Lippenspaltgröße und -form, Stellung Oberlippe zur Unterlippe, aber auch Kieferstellung und Luftfluss) den neuen Verhältnissen anzupassen, dann wird man die leichtere Ansprache evtl. als 'schlechtere' empfinden, weil es wahrscheinlich dann rauschen wird.
Ohne den Ausgangspunkt der leichten Ansprache des Tons erreichen aber die meisten der angeführten Übungen nicht den hier gemeinten Effekt.

1. Kopf hoch während des Spielens
Dies ist die Bewegung mit einem üblicherweise großen Effekt:
Man lässt den Kopf in den Nacken sinken, setzt am besten erst dann die Flöte an und spielt 'nach oben'. Dabei lässt man den Kiefer sich locker öffnen während der Atmung. Er öffnet sich dann von selbst in Richtung abwärts-nach hinten. Die Arme müssen entsprechend mitgehen, damit die Flöte wie gewohnt an der Lippe anliegen kann. Die Flöte liegt dann mit ihrem Eigengewicht auf der Lippe. Der rechte Daumen muss eventuell ein wenig umgesetzt werden, damit er das Flötenrohr mehr von unten stützen kann. Man kann das Kopf-Heben auch gleichzeitig mit der Einatmung geschehen lassen.

Positiv
Die größere Kieferöffnung provoziert ein weiter vorn stattfindendes, weicheres und runderes Schließen der Lippen. Die Muskeln um die Lippe, die die Lippe zur Seite ziehen, müssen sich dazu etwas entspannen. Nun gelingt es den meisten Spielern am leichtesten, die optimale Ansprache zu behalten und vor allem jetzt auch noch den Ton geräuschfrei zu gestalten.
Der Mundinnenraum und damit der Ton wird größer. Der Hals wird gestreckt und damit nahezu optimal offen. Die Flöte liegt nur mit einem Teil ihres Eigengewichts an, was in etwa dem optimalen Andruck entspricht, vorausgesetzt, dass der linke Arm sich nicht an die Flöte hängt.
Alles, was Beweglichkeit und feine Differenzierung der Lippenbewegung erfordert, wie das Üben der Klangschönheit, der Töne in der dritten Oktave, der Dynamik und der großen Sprünge wird meist erheblich erleichtert.
Außerdem ergibt sich zusätzlich eine positive Wirkung auf die Atmung, da die Ellenbogen recht weit vom Brustkorb weg gehalten werden müssen.

Negativ
Nach einiger Zeit wird es möglicherweise unangenehm im Nacken. Dann hört man damit auf. Theoretisch könnte die Zunge nach hinten in den Rachen rutschen und einen 'Knödel' bilden. Das Gefühl, weit vorne an den oberen Zähnen mit der Zungenspitze zu stoßen und das Streckungsgefühl des Halses mitzumachen, kann dies aber leicht verhindern.
Man muss darauf achten, dass man nur den Kopf nach hinten nimmt und nicht den Körper durchbiegt, also sich in Richtung Hohlkreuz bewegt.
Seltener kommt es vor, dass ein Spieler beim Spielen nach oben die Schultern hochzieht. Nimmt er dann zuerst den Kopf in den Nacken und legt dann erst die Flöte an, gelingt es meistens ohne diesen  Fehler.
Das Gefühl im Nacken ist nicht jedem gleichermaßen angenehm.
Das Üben von fingertechnisch anspruchsvollen Passagen ist hierbei nicht günstig.

u.a.

2.....

Zur Atmung

1. Aufrichten des Oberkörpers während der Einatmung
Man beugt zuerst den Oberkörper (eventuell mit einer Ausatmung zusammen) aus dem Hüftgelenk nach vorn, setzt die Flöte an den Lippen an, lässt den Mund locker offen, richtet sich dann mit der Einatmung zusammen wieder auf bis der Oberkörper 'ganz oben' ist ( Man lässt ihn also nicht nach hinten heruntersinken) und spielt sofort am Ende der Einatmung ohne Verzögerung los.
Dabei muss man zuerst ein wenig darauf achten, dass die Flöte beim Hochgehen nicht verwackelt, bzw, dass die Flöte zum Spielbeginn möglichst optimal anliegt. Um der Gefahr des Hohlkreuzes, dem Heruntersinken des Oberkörpers nach hinten, entgegen zu wirken, kann man die Aufwärtsbewegung auch kurz vor dem Höhepunkt stoppen, so dass man ein klein wenig nach vorne gebeugt steht.
Man beginne zuerst damit jede Atmung so auszuführen, dann jede zweite, jede dritte usw., oder dann nur noch individuell bestimmte, wo man diese Hilfe besonders gut gebrauchen kann.

Positiv
Die Übung hilft sehr, wenn man beim gewohnheitsmäßigen Spiel einen etwas zu hohen Luftdruck und Luftfluss bemerkt, z.B. beim Üben der dritten Oktave. Durch das Aufrichten wird die Wirbelsäulenmuskulatur angeregt, funktional zu arbeiten. Die Atmungsmuskulatur hilft nicht mehr den Oberkörper zu halten und kann sich dadurch freier und differenzierter bewegen.
Die Lippen können mit dieser Übung dann leichter ihre Bewegungen lernen und ausführen.
Sie kann auch helfen, um bei besonders langen Passagen genügend Luft einzuatmen und dann vor allem, nicht bei den ersten Tönen die Luft zu schnell entweichen zu lassen, was eine besonders tiefe Einatmung wieder relativ unwirksam machen würde.
Sie hilft auch sehr gut einer Hohlkreuz-Gewohnheit entgegen zu wirken. Man kann dann bald lernen, wie die Körperhaltung funktionaler ist und sich umgewöhnen, sobald man die klanglichen Verbesserungen kennengelernt hat.

Negativ
Man kann diese Bewegung während des Übens eines Stückes nur ausführen, wenn gerade eine größere Pause vorkommt, oder wenn man den musikalischen Fluß des Stückes grob unterbricht.
Auf Dauer wird diese Bewegung etwas mühsam und verliert dadurch leider etwas an Attraktivität (aber nicht an Wirkung).
Nur sehr selten kommt es vor, dass jemand aus Angst, die Flöte zu verlieren, oder zu Beginn des Spiels nicht gut angelegt zu haben, diese zu fest andrückt.

u.a.

1. Gegen zuviel Andruck der Flöte an den Lippen
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1. Gegen zuviel Fingerkraft der rechten Hand beim Schließen der Klappen
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2. Gegen zuviel Fingerkraft der rechten Hand beim Schließen der Klappen
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3. Gegen zuviel Fingerkraft der linken Hand beim Schließen der Klappen
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Zur Artikulation
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1. "Gehüpfte Töne"
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2. Andere Silben
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1 Das funktionale Flötenspiel sucht ja immer nach dem 'Wie geht es sinnvoller und insgesamt leichter'. Dazu verhilft das Körpergefühl, das einem meist sehr deutlich vermittelt, welche Ausführung der Aufgabe leichter ging und welcher Versuch schwieriger. Deswegen soll man im klanglichen Bereich des Flötentons nicht von der ästhetischen Vorstellung ausgehen, z.B. versuchen ebenso wie dieser oder jener Flötist zu klingen, sondern nur von der Frage 'Wie geht es leichter ?'. Und das, was dann leichter zum Ziel führt ist das Bessere und nicht unbedingt das, was man vorher sich als das Bessere gedacht hat.